Kein Handel – Kein Händel auf dem Matthäusplatz: Trotz allen ist das untere Kleinbasel ein lebenswertes Quartier!

Am vergangenen Donnerstag fand auf dem Matthäusplatz im Kleinbasel erneut eine Auflage des Anlasses «Kein Handel – Kein Händel» statt, nach einer ersten Durchführung vor zwei Jahren. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Quartierverein Unteres Kleinbasel gemeinsam mit dem Community Policing der Kantonspolizei Basel Stadt und der IG Kleinbasel. Ziel war ein Austausch zwischen Politikerinnen und Politikern sowie Anwohnenden zur Mehrfachproblematik rund um den Matthäusplatz, insbesondere zu den Auswirkungen von Drogenhandel und Drogenkonsum auf das Quartier.

Anwesend waren Politikerinnen und Politiker aus verschiedenen Lagern sowie Anwohnende, die mit den Vertretenden intensiv diskutierten. Besonders genutzt wurde die erste halbe Stunde mit Stefanie Eymann, welche die Regierung und das Sicherheitsdepartement vor Ort vertrat. Zur Sprache kamen Ängste, Beobachtungen und Sorgen rund ums untere Kleinbasel. Gleichzeitig wurde stets betont, wie sehr allen Anwesenden das Quartier am Herzen liegt und dass es trotz aller Schwierigkeiten ein lebenswerter Ort ist, in dem man gerne wohnt.

Hingewiesen wurde auch darauf, dass die Drogenproblematik im unteren Kleinbasel in den Achtzigerjahren deutlich dramatischer war und seither viele positive Entwicklungen stattgefunden haben. Diskutiert wurden verschiedene mögliche Massnahmen, darunter die Ausweitung des Rangerdienstes, der aktuell nur auf der Dreiroseanlage tätig ist. Als positives Beispiel aus Zürich wurde das Angebot SIP Züri (Sicherheit, Intervention und Prävention) genannt.

Die SIP Zürich ist ein Angebot, das durch Sozialarbeitende ausgeführt wird und sowohl für Betroffene als auch für Anwohnende als niederschwellige Ansprechpersonen zur Verfügung steht. Dass ein vergleichbares Angebot in Basel bisher nicht existiert bzw. der Rangerdienst der Dreiroseanlage bis heute nicht ausgeweitet wurde, ist für uns als Verein wie auch für die Anwohnenden schwer nachvollziehbar. Mahir Kabakci (SP) hatte diesen Vorschlag bereits bei der Regierung eingebracht, dieser wurde jedoch exakt einen Tag vor unserer Veranstaltung vom Regierungsart abgelehnt. Der neutrale Quartierverein Unteres Kleinbasel wird dieses Anliegen gemeinsam mit Politikerinnen und Politikern weiterverfolgen.

Zur Sprache kam auch, dass Hotspots mit besonders starkem Drogenhandel durch die Zivilbevölkerung zurückerobert werden sollen. In diesem Zusammenhang entstand die Idee, an entsprechenden Orten Buvetten zu lancieren. Den Anwesenden wurde durch die Diskussion, insbesondere durch die aktive Beteiligung der Jugendarbeit im Quartier, bewusst, wie wichtig das Zusammenspiel von sozialarbeiterischer Prävention, zivilem Engagement, Repression und erweiterten polizeilichen Möglichkeiten wie der Wegweisung ist. Es reicht nicht, sich auf ein einzelnes Element zu verlassen. Vielmehr braucht es ein koordiniertes und gemeinsam orchestriertes Vorgehen, um die Situation in den Griff zu bekommen.

Dennoch war es vielen Anwesenden wichtig, immer wieder zu betonen, wie lebenswert das untere Kleinbasel ist und dass es sich lohnt, dafür einzustehen.

Den in der Basler Zeitung erschienenen Artikel, der eine Verbindung zwischen diesem Anlass und der Initiative «10 Millionen Schweiz» herzustellen versuchte, erachten wir als sachlich nicht haltbar. Wir als neutraler Quartierverein erachten diese Verbindung als missbräuchliche Verwendung der an dieser Veranstaltung gemachten Aussagen. Das untere Kleinbasel lebt von der Vielfalt seiner Bewohnerinnen und Bewohner. Das Problem ist nicht die Anzahl der Bewohnenden, sondern die geringe Anzahl an Freiräumen, auf denen Begegnung und Austausch stattfinden können. Die von der Basler Zeitung hergestellte Verbindung zu den Interessen der Initiative ist schlicht unzutreffend. 

Das untere Kleinbasel trägt zentrale Lasten für den gesamten Kanton und ist nach wie vor bereit, diese im Interesse eines lebenswerten Kantons mitzutragen. Diese Offenheit zu missbrauchen ist jedoch falsch. Das untere Kleinbasel wünscht sich eine gerechtere Verteilung der Lasten auf alle Quartiere. 

Wir sind überzeugt, dass sich alle beteiligten Stellen aus Zivilgesellschaft, Staat und Anwohnerschaft der Verantwortung bewusst sind: Es gilt, das untere Kleinbasel zu stärken und eine Eskalation der Probleme in diesem Sommer zu verhindern. Aus diesem Grund werden wir im Herbst erneut eine entsprechende Veranstaltung organisieren und den bevorstehenden Sommer gemeinsam auswerten.​​​​​​​​​​​

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